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Adventskalender

Tag 19: Adventskalender 2025

Was eine einzige Geste über Gier, Hingabe und unsere wahren Absichten verrät

Einleitung: Wenn das Herz die Vernunft überstimmt

Im Alltag bewegen wir uns oft in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite steht die kalkulierte Vernunft: Wir sparen, planen und streben nach Effizienz. Auf der anderen Seite steht das Herz, das zu Gesten fähig ist, die unvernünftig, verschwenderisch und doch unendlich wertvoll erscheinen. Es ist der Impuls, aus reiner Zuneigung mehr zu geben, als logisch erscheint.

Eine fast 2000 Jahre alte Geschichte aus dem Matthäusevangelium spitzt diesen Konflikt auf dramatische Weise zu. Sie handelt von einer einzigen Geste, die zwei vollkommen gegensätzliche Reaktionen hervorruft und uns damit überraschende Einsichten in unsere eigenen Motivationen schenkt – bis heute.

Wahre Hingabe kann wie reine Verschwendung aussehen

Die Szene spielt im Haus von Simon dem Aussätzigen. Jesus ist zu Gast, als eine namenlose Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm tritt. Ohne zu zögern, gießt sie ihm den gesamten Inhalt über den Kopf.

Die Dimension dieser Tat ist schockierend. Judas Iskariot, einer der Anwesenden, schätzt den Wert des Öls auf 300 Denare – der Jahreslohn eines damaligen Arbeiters. Eine Summe, die ein ganzes Leben hätte verändern können, wird in einem einzigen Augenblick vergossen.

Die Reaktion der Jünger ist Empörung über diese scheinbare “Verschwendung”. Sie sehen nur den materiellen Verlust. Doch Jesus sieht etwas völlig anderes. Er verteidigt die Frau und gibt ihrer Tat eine tiefere, ewige Bedeutung:

“Warum macht ihr es der Frau so schwer?”, sagte er ihnen. “Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Indem sie dieses Salböl über mich gegossen hat, hat sie meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. Ich sage euch, überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.”

Hier zeigt sich: Was aus ökonomischer Sicht eine sinnlose Vergeudung ist, kann aus der Perspektive der Liebe eine Handlung von unschätzbarem Wert sein. Es ist eine Geste reiner Hingabe, die sich nicht rechnet und gerade deshalb alles bedeutet – und für immer in Erinnerung bleiben wird.

Fromme Worte können egoistische Motive verbergen

Die schärfste Kritik an der Handlung der Frau kommt von Judas Iskariot. Sein Einwand klingt fromm, sozial engagiert und vernünftig: Warum wurde dieses kostbare Öl nicht verkauft, um das Geld den Armen zu geben? Es scheint, als würde er für die Bedürftigen sprechen.

Das Johannesevangelium enthüllt jedoch seine wahren Motive und entlarvt die fromme Fassade. Der Text legt eine erschreckende Diskrepanz zwischen seinen Worten und seinen Absichten offen:

Er sagte das nicht etwa, weil ihm die Armen am Herzen lagen, sondern weil er ein Dieb war. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und entwendete immer wieder etwas von dem, was hineingelegt wurde.

Dieser Kontrast ist schneidend. Judas benutzt eine edel klingende Begründung – die Sorge um die Armen –, um seine eigene Gier zu verschleiern. Er dachte nur an sich, während er vorgab, an andere zu denken.

Diese Geschichte wirft eine unbequeme Frage auf, die auch uns heute trifft: Wie oft schieben wir edle Gründe vor, um in Wahrheit unsere eigenen egoistischen Ziele zu verfolgen? Wie oft verbergen sich hinter unseren rationalen Argumenten Motive, die wir lieber nicht zugeben möchten?

Die entscheidende Frage: Ist Gott nur Mittel zum Zweck?

Die Empörung des Judas über die vermeintliche Verschwendung führt direkt zur nächsten, fatalen Handlung. Aufgebracht geht er zu den führenden Priestern und bietet ihnen an, Jesus für 30 Silberstücke zu verraten.

Sein Motiv war nicht nur die Gier nach Geld. Judas wollte Jesus in eine Lage bringen, in der dieser endlich gezwungen wäre, sich selbst zu beweisen und die Macht an sich zu reißen. Er wollte ihn zwingen, die politischen Pläne zu erfüllen, die Judas für ihn vorgesehen hatte.

Hier liegt der Kern des Konflikts: Wenn wir Jesus nachfolgen, kommen wir früher oder später an einen entscheidenden Punkt. An diesem Punkt zeigt sich, wessen Pläne wir in Wahrheit verfolgen – unsere eigenen oder seine. Es sind Momente, in denen wir Entscheidungen treffen, die die Richtung unseres gesamten Lebens festlegen.

In diesen Augenblicken fühlen wir vielleicht, dass eigene Pläne und Ambitionen sterben müssen. Eine Karriere, Beziehungen, Finanzen, ein gutes Geschäft werden wir vielleicht nicht abschließen. Aber genau dann erkennen wir, wem wir wirklich gehören. Dietrich Bonhoeffer hat dieses Gefühl der Zugehörigkeit in seinem Gedicht “Wer bin ich?” auf den Punkt gebracht:

Wer ich auch bin, du kennst mich, dein bin ich, oh Gott.

Diese Momente der Entscheidung legen unsere wahren Prioritäten schonungslos offen. Judas hat später seine Entscheidung unheimlich bereut und versucht, sie ungeschehen zu machen. Aber manche Dinge können eben nicht ungeschehen gemacht werden. Sie können, wenn überhaupt, nur vergeben werden.

Wessen Pläne verfolgst du?

Die Geschichte der namenlosen Frau und des Judas Iskariot stellt zwei fundamentale Haltungen gegenüber. Sie zeigt den tiefen Graben zwischen selbstloser Hingabe, die alles verschenkt, und dem Versuch, Jesus für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.

Ihre Handlungen zwingen uns, uns selbst zu prüfen und die entscheidende Frage zu beantworten, die über allem steht. Eine Frage, die direkt ins Zentrum unseres Glaubens und Lebens zielt:

Ist Jesus für dich nur Mittel zum Zweck oder verfolgst du tatsächlich seine Pläne, Jesu Pläne?

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