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Tag 18: Adventskalender 2025

3 Lektionen über Führung, die fast jeder missversteht

Wachsen die Menschen unter deinem Einfluss in ihrer Persönlichkeit?

Diese Frage geht an die Substanz. Denn jeder von uns hat Einfluss – in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir führen, sondern wie. Wozu nutzen wir den Einfluss, den wir haben?

Eine 2000 Jahre alte Geschichte gibt eine überraschend moderne und radikale Antwort. Sie enthüllt eine Wahrheit, die den Kern moderner Führungstheorien herausfordert: dass die größte Demonstration von Macht nicht darin liegt, sie auszuüben, sondern sie abzulegen.

1. Echte Stärke zeigt sich nicht in Dominanz, sondern in Dienen

Stellen Sie sich die Szene vor: Jesus weiß, dass seine Zeit abläuft. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass ihm, wie die Geschichte berichtet, „Macht über alles gegeben“ wurde. Er handelt also aus einer Position absoluter Autorität, nicht aus Schwäche. Und in diesem Moment will er denen, die er liebt, „den vollkommensten Beweis seiner Liebe“ geben. Er steht auf, legt sein Obergewand ab und beginnt, die schmutzigen Füße seiner engsten Freunde zu waschen. Er übernimmt damit die Aufgabe mit dem niedrigsten sozialen Status – eine Aufgabe, deren Organisation explizit zum Verantwortungsbereich seiner Vertrauten Petrus und Johannes gehörte. Es war ein direkter Fehler in ihrer Verantwortung, den sie nicht nur versäumt hatten, sondern den sie auch selbst mieden.

Hier liegt die erste radikale Lektion. Während moderne Führungskräfte ihre Macht oft nutzen, um Distanz zu schaffen – durch Titel, exklusive Büros und Statussymbole –, nutzte Jesus seine ultimative Macht, um Distanz zu überbrücken. Seine Handlung war ein kalkulierter Akt, der zeigte: Wahre Autorität braucht keine Insignien. Die größte Stärke zeigt sich in der Freiheit, freiwillig zu dienen. In unseren von Hierarchien geprägten Organisationen ist diese Idee heute noch genauso provokant wie damals. Jesus fasst diese Lektion mit klaren Worten zusammen:

Wenn nun ich, der Herr und der Meister, euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

2. Der schmale Grat zwischen dem Wunsch zu dienen und der Bereitschaft, ein Diener zu sein

Die Reaktion der Jünger in dieser Szene enthüllt eine zutiefst menschliche Wahrheit: Es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen der theoretischen Wertschätzung einer dienenden Haltung und der praktischen Bereitschaft, selbst als Diener zu handeln. Als den Jüngern ihr Versäumnis auffiel, blickten sie verlegen zur Seite. Keiner war bereit, die Schürze umzubinden. Ihre „Haltung des Herzens“ wurde offenbar, noch verstärkt durch den Streit, den sie kurz zuvor darüber führten, wer von ihnen „der größte“ sei.

Diese Haltung ist uns schmerzlich vertraut. Es ist der stille Moment im Meeting, in dem eine unliebsame Aufgabe auf dem Tisch liegt und alle plötzlich intensiv ihre Notizen studieren. Es ist der Kampf um den prestigeträchtigen Projekttitel, während die undankbare Detailarbeit an andere delegiert wird. Die Haltung des Herzens offenbart sich nicht in den großen Reden über „Servant Leadership“, sondern in der stillen Weigerung, die sprichwörtliche Schüssel mit Wasser zu füllen. Die Quelle bringt dieses Spannungsfeld präzise auf den Punkt:

Viele halten eine dienende Haltung als erstrebenswert, aber wenige möchten als Diener handeln oder behandelt werden.

3. Der ultimative Test Ihrer Führung: Wachsen andere durch Sie?

Dienende Führung muss kein abstraktes Ideal bleiben. Der Vordenker Robert Greenleaf schuf dafür einen unbarmherzig ehrlichen Spiegel in Form von drei Fragen. Betrachten Sie sie nicht als Checkliste, sondern als einen Audit für Ihre Seele als Führungskraft. Stellen Sie sich diese Fragen, um die wahre Qualität Ihres Einflusses zu messen:

  • Wachsen die Menschen unter meinem Einfluss in ihrer Persönlichkeit?
  • Werden sie, während ich ihnen diene, gesünder, weiser und freier?
  • Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie selbst zu dienenden Leitern werden?

Diese Fragen definieren Erfolg neu. Es geht nicht mehr darum, wie hoch wir aufsteigen oder wie beeindruckend unser Titel ist. Der wahre Maßstab für Führung ist das Wachstum, die Gesundheit und die Befähigung der Menschen um uns herum. Welche dieser drei Fragen bereitet Ihnen am meisten Unbehagen? Die Antwort darauf ist Ihr Ausgangspunkt für echtes Wachstum.

Abschluss: Wissen ist nicht genug

Die zentrale Botschaft dieser 2000 Jahre alten Lektion ist zeitlos: Echte Führung ist keine Position, die man innehat, sondern eine Handlung, die man vollzieht. Es ist die bewusste Entscheidung, die eigene Stärke zu nutzen, um andere aufzubauen und wachsen zu lassen.

Letztendlich ist die Lehre der Fußwaschung eine unbequeme Wahrheit: Man kann die Theorie der dienenden Führung bewundern, ohne jemals die Haltung eines Dieners anzunehmen. Das Wissen allein verändert nichts. Die wahre Prüfung liegt, wie Jesus am Ende unmissverständlich klarstellt, nicht im Verstehen, sondern im Handeln:

Ihr wisst das jetzt alles. Glücklich seid ihr zu nennen, wenn ihr auch danach handelt.

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