Bibeltexte
- Philemon 4–7
- Philemon 17–19
- 1. Johannes 4,20
- Matthäus 6,24
- Matthäus 11,28–30
- Matthäus 6,12
- Genesis 37,28 (Josef wird verkauft – Bezug zum letzten Sonntag)
Predigtzusammenfassung
Gottfried startet mit einer sehr konkreten Szene: Nach dem Gottesdienst steht genau die Person im Foyer, die dich am meisten verletzt hat, und sagt: „Ich weiß, ich habe Schuld. Darf ich zurückkommen?“ Es geht nicht um Theorie oder fromme Antworten, sondern um die echte Frage: Was machst du mit deinem Recht als Verletzter?
Als biblischen Anker führt Gottfried in den Brief an Philemon ein – eine kurze, sehr persönliche „Postkarte“ im Neuen Testament. Dass so ein Konfliktbrief überhaupt in der Bibel steht, zeigt für ihn: Das Thema ist für alle relevant. Zuerst schaut er auf Philemon 4–7: Paulus dankt für Philemons Liebe, sein Vertrauen zu Jesus und seine Fürsorge in der Gemeinde. Philemon wirkt wie ein „Einser-Christ“: liebevoll, großzügig, glaubwürdig.
Dann kommt die Wendung: Trotz all dem gibt es einen Punkt, an dem Philemon festhängt – Vergebung. Es geht um den entlaufenen Sklaven Onesimus. Gottfried betont: Philemon wird nicht als „der Böse“ dargestellt. Im Gegenteil: Er ist der Verletzte, dem Unrecht widerfahren ist, und er hat Rechte. Genau da setzt die Frage des Evangeliums an: Was mache ich mit meinen Rechten – halte ich daran fest oder bringe ich sie Jesus?
Paulus bittet Philemon, Onesimus wieder aufzunehmen. Onesimus ist inzwischen bei Paulus Jesus begegnet und verändert worden. Gottfried macht klar: Glaube schützt nicht davor, verletzt zu werden. Wo Menschen sind, gibt es Schuld – manchmal absichtlich, manchmal unabsichtlich. Aber Gnade heißt nicht: „War nicht so schlimm.“ Gnade heißt: Es war schlimm – und trotzdem gibt es einen Weg.
Der Kern wird für Gottfried in Philemon 17–19 sichtbar: „Wenn dir an der Gemeinschaft mit mir etwas liegt, nimm ihn auf, wie du mich aufnehmen würdest… Wenn er dir etwas schuldig ist, stell es mir in Rechnung.“ Das ist für ihn das Bild von Stellvertretung: So wie Paulus sich „dazwischen stellt“, so stellt sich Jesus dazwischen. Vergebung bedeutet nicht, die Rechnung zu leugnen, sondern sie ehrlich anzuschauen – und sie dann nicht dem Schuldiger, sondern Jesus zu geben.
Ganz praktisch lädt Gottfried ein: Schreib die „Rechnung“ auf. Jede Position, jeder Schaden, jedes Wort, jede Auswirkung – ohne Beschönigung. Wenn Tränen kommen, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern Ehrlichkeit. Und dann: Bring diese Rechnung ans Kreuz und sag Jesus: „Du hast dafür bezahlt.“ So wird Vergebung nicht zur religiösen Leistung, sondern zur Frucht von Jesu Gnade.
Dazu verbindet Gottfried weitere Bibelstellen:
- 1. Johannes 4,20: Wer sagt, er liebt Gott, aber den Bruder hasst, lebt in einem Widerspruch.
- Matthäus 6,24: Man kann nicht zwei Herren dienen – wir können nicht gleichzeitig in Jesus verankert sein und Hass festhalten.
- Matthäus 11,28–30: Jesus lädt die Müden ein und trägt Lasten so, dass sie „passen“. Gottfried ist ehrlich: Manchmal können wir nicht vergeben – und manchmal wollen wir nicht. Darum brauchen wir Jesus selbst als Kraftquelle.
- Matthäus 6,12 erinnert: „Vergib uns … wie auch wir vergeben“ – aber die „Rechnung“ wird nicht beim anderen eingetrieben, sondern bei Jesus abgelegt.
Am Ende steht Hoffnung: Jesus nimmt uns auf, bevor wir uns bewährt haben. Genau diese Gnade schafft Räume, in denen Veränderung möglich wird – erst in der Beziehung, dann im Herzen. Gottfrieds Ermutigung: Lass Jesus an das heran, was noch offen ist. Am Kreuz ist auch für diese Beziehung Kraft.
Fünf Kleingruppenfragen
- Wenn du dir die Foyer-Szene vorstellst („Darf ich zurückkommen?“): Was passiert spontan in dir – welche Gedanken, Gefühle, Schutzmechanismen?
- Philemon hatte echte Rechte als Verletzter. Wo merkst du: „Ich habe Recht“ – und was macht dieses Recht mit dir (Freiheit oder Bindung)?
- Paulus sagt sinngemäß: „Nimm ihn auf, wie du mich aufnehmen würdest“ (Philemon 17). Was könnte „aufnehmen“ bei dir konkret bedeuten – ohne naiv zu werden (Grenzen, Klarheit, Schritte)?
- Praktisch: Welche „Rechnungspositionen“ würdest du aufschreiben (Worte, Vertrauensbruch, verlorene Zeit, Folgen)? Was wäre ein nächster Schritt, diese Rechnung Jesus zu geben?
- Auch die negative Seite bedenken: Wo könnte „Verletzung bewahren“ dir kurzfristig Sicherheit geben (Kontrolle, Abstand, Gerechtigkeitsgefühl) – und welchen Preis zahlst du dafür langfristig?
Drei motivierende Sätze zum Mitnehmen
Jesus verlangt nicht, dass du Schuld kleinredest – er lädt dich ein, sie ehrlich anzuschauen und ihm zu geben.
Vergebung ist keine Gefühlslaune, sondern ein Schritt, bei dem Jesus die Rechnung trägt und du frei werden darfst.
Wenn du spürst, dass dich das herausfordert, hör die Predigt nochmal: Vielleicht ist genau dort dein nächster Anker im Vertrauen verborgen.

