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Kingdom Sounds #002 // Wie hart darf christliche Musik sein? (For Today – Bitter Roots)

For Today sind eine christliche Band aus dem US-Bundesstaat Iowa. Ihr Genre: Metalcore. Von der Frage, wie Metal und christliche Botschaft überhaupt zusammenpassen, schippern wir direkt auf ein allgemeingültiges Fazit zu: Wut ist manchmal gut.

Wie hart darf’s sein: Das gefühlte Problem

Die Frage, wie hart christliche Musik sein dürfe, führt Christen seit Jahrzehnten regelmäßig zur Schnappatmung. Das Problem: Jeder Mensch fühlt dieses “Wie” anders. Wir können es nicht messen, wie den Kaffeekonsum nach unseren Gottesdiensten im Musikomm. Egal ob wir über Pop, Rock, HipHop, Soul, Blues oder Funk sprechen – kaum ein Christ kommt (heutzutage*) noch auf die Idee, ein komplettes Genre unter (historischen*) Generalverdacht zu stellen und es per se als schlecht zu verurteilen. Viel mehr sehen wir uns die Texte an, beleuchten vielleicht die Hintergründe von Band oder Interpret. Bei Metal nicht. Spätestens wenn einer schreit, wandert das Stück in die Giftkiste. Warum? Das Argument verläuft oft* auf einer Gefühlsebene: Es klingt irgendwie Wut-erfüllt oder furchteinflößend, also kann es nicht gut, nicht von Gott, nicht Gott-gefällig sein.

Das akustische Happy-Clappy-Kontinuum

Was heißt das im Umkehrschluss? Heißt das, “Gott-kompatible” Musik muss oberflächlich immer friedliche und positive Gefühlslagen vermitteln? Das ist übrigens die monophone Realität unserer zeitgenössischen Worship- und Lobpreis-Kultur** (wichtige Fußnote!) á la Hillsong, Bethel usw. Letzteres möchte ich an der Stelle nicht bewerten – ich stelle aber fest, dass unser moderner Lobpreis immer häufiger nur eine Seite der Medaille abdeckt.

Der Blick in die Bibel

Was meine ich damit? Blick in die Schrift: Das Buch der Psalmen, das Lieder- und Gebetbuch der Bibel, liefert die Antwort in seiner Gesamtheit, ohne dass wir anfangen müssen, einzelne Verse zu zerpfücken. Wir finden hier Texte voller Freude und Dankbarkeit. Wir finden aber auch Wut, Furcht, Verachtung und Traurigkeit. Das Buch der Psalmen ist eine emotional polyphone Sammlung an Liedern und Gebeten. Und in unserer festen christlichen Überzeugung ist alles davon zu 100% göttlich.

Wut ist gut.

Nehmen wir das Beispiel der Wut. Wut ist eine menschliche Grundemotion. Wut ist wichtig. Wut kann Positives hervorbringen – als Teil einer gesunden und heilsbringenden Auseinandersetzung mit Lebenslagen und Herausforderungen. Ohne Wut kann ein Mensch nicht wachsen – auch nicht im Glauben. Wut ist ein Motiv, das wir an unzähligen Stellen in der Bibel finden, darunter in den Psalmen. Wut führt zu Entschlossenheit. Das Wort “Aggression” stammt vom lateinischen “aggredi” – zu Deutsch “herantreten”, “angreifen”. Es gibt Momente im Leben, da müssen wir anpacken, aufstehen, angreifen. Und zwar dann, wenn’s nicht läuft. Dabei spielt es keine Rolle, ob unsere Probleme physisch greifbar sind oder sich “nur” in unserem Inneren abspielen. Es kann der Fehler sein, den wir immer und immer wieder begehen. Es kann ein Gedanke sein, der uns immer wieder runterzieht. Eine Lebenssituation, die uns fast zu Boden ringt. Ein Verlust, der uns wahrhaftig zu Boden ringt. Trauer, Wut, Aufstehen, Entschlossenheit, Stärke, Wachstum. Am besten funktioniert Wut zielgerichtet. Mit einem klaren Fixpunkt, einem klaren Fokus.

Klarer Fokus

Ich weiß nicht, mit welchen Problemen Du tagtäglich – oder ganz akut jetzt im Moment – kämpfst. Aber wir Christen wissen, wie wichtig es ist, dass wir unseren Fokus in allen Lebens- und Gefühlslagen auf Gott gerichtet halten: “Dann stand er auf, drohte den Winden und dem See und es trat völlig Stille ein.” (Mk 4:39) Musik kann dabei unsere emotionalen Phasen begleiten und zur rechten Zeit einen wichtigen Impuls geben. Ein kleiner Weckruf, ein Reminder. “Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, keine Flamme wird dich verbrennen. Denn ich, der Herr, bin dein Gott, ich, der Heilige Israels, bin dein Retter.” (Jes 41:1-3) Oder erinnern wir uns daran, dass uns nicht unsere Taten gerecht werden – sondern allein die Gnade zählt (…).

Mit Volldampf durch den Kampf

Manchmal braucht’s einen kleinen Tritt in den Po, um uns neu zu fokussieren. Manchmal braucht’s dazu einen guten Freund oder eine gute Freundin. Oder eine bestimmte Playlist. Ernsthaft: Leg Dir einen musikalischen Wergzeugkasten zurecht. Ein guter Wergzeugkasten ist mit unterschiedlichen Geräten ausgestattet und so vielseitig wie das Buch der Psalmen. Im Werkzeugkasten findet sich ein Hammer fürs Grobe. Ob Fäustel oder doch nur Gummihammer – wichtig ist: Finde Deinen Hammer. Und akzeptiere gleichzeitig, dass auch härtere Hämmer als Dein eigener ein legitimes Werkzeug sein können.

For Today – Bitter Roots

Vom allgemeinen “Wie hart darf’s jetzt sein?” zurück zur eigentlichen Band und ihrem Song: Ich befasse mich seit über 15 Jahren intensiv mit harter christlicher Musik, ihren historischen und biblischen Hintergründen. Eine meine ersten richtig harten Entdeckungen waren eben “For Today”. Der Song “Agape” vom 2008er Debut-Album “Ekklesia” war damals eine Offenbarung für mich. 2009 folgte das Album “Portraits”: “Saul of Tarsus” begleitet mich bis heute. “Crown Of Thorns” (2013) zählt in Fachkreisen ohne Diskussion zu den größten und wichtigsten Songs im christlichen Metalcore. Für den heutigen Blogeintrag und den christlichen Hard ‘n Heavy-Einstieg hab ich mich für “Bitter Roots” entschieden – die Nummer ist auch für Schrei-Musik-Neulinge und -Grundskeptiker relativ leicht zu verstoffwechseln. Tastet euch mal ran. Und wartet. Der Song baut sich ganz sachte auf. Es dauert gut zwei Minuten, bis der Hammer zum Einsatz kommt.

Bitter roots
I can’t remove
Sorrow runs deeper
Than I ever knew

(…)
Beneath the surface I try
To reach deeper inside
But I just can’t deny

Reach deeper down inside
(Release me)
Consume the pain I cannot hide
(I need you)
Let me go
Take it all away
My skin is stronger than soil
My heart won’t be pierced by these thorns
Tear out the bitter roots

Christlicher Metal: Lobpreis am laufenden Band

Metal bringt in den letzten Jahren so viele christliche Interpreten, Alben und Songs heraus wie kaum ein anderes Genre. Wem “Bitter Roots” einfach trotzdem zu hart ist: Demon Hunter – On My Side (ohne Geschrei). Wer noch mehr Hau-Drauf vertragen kann: Fit For A King – Slave To Nothing. Und wer seine Grenzen völlig ausloten will: Man Ov God (Aber Achtung: Das ist kein Hammer mehr, hier rollt die Abrissbirne. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt…)

*Heutzutage: Zur Historie der christlichen Musik, insbesondere von Rock und härteren Gangarten, werde ich in zukünftigen Folgen noch einiges schreiben.

**Achtung: In diesem Beitrag werfe ich “Lobpreis”, also das, was wir aus unseren Gottesdiensten kennen und “sonstige christliche Musik” ganz bewusst in einen Topf. Für mich ist jede Form christlicher Musik eine Form des Lobpreise(n!)s. Dazu ein anderes Mal mehr.

Für gewöhnlich verweise ich hier auf die Künstlerhomepage. Da For Today nicht mehr als Band existieren – und damit auch keine Homepage mehr – gibt’s auch keinen Link. Der Beitrag war eh lang genug. Sorry Dudes*Innen für den halben Brockhaus. Die nächste Folge wird wieder kürzer. Versprochen! 🙂

Beitrag: Michael Weiß // Grafik © Nuclear Blast (Label) / For Today

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Über den Autor
Michael Weiß ist Vollblut-Oberpfälzer, Familienvater und überzeugter Christ. Er macht gerne Musik, er hört gerne Musik und: Jetzt schreibt er auch noch über Musik.
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